Hallo zusammen,
besonders gerne verbinde ich in Gaißau eine persönliche Pilzexkursion durch das Rheinholz mit einem Spaziergang am See. Besonders dann, wenn das Wetter so schön ist, wie letztes Wochenende. Dieses Wochenende eignet sich dafür hervorragend zum Dokumentieren der Funde und dem Verfassen von Beiträgen in unserem Forum.
Auch bei den Funden im Rheinholz ist oft etwas Spannendes dabei. Für mich gab es bei dieser Tour gleich mehrere persönliche Erstfunde.
Büscheliges Braunhaarbecherchen, Merismodes fasciculata
Auf einem toten Laubholzast. Spannend ist dabei, dass es sich bei diesen Becherchen um Ständerpilze handelt und nicht - wie man vielleicht erwartet hätte - um Schlauchpilze. Zuerst dachte ich an das häufigere Rasige Braunhaarbecherchen, aber aufgrund der signifikant schmaleren Sporen kann ich meinen Fund gut von diesem abgrenzen.
Echter Eichen-Mehltaupilz, Erysiphe alphitoides
Auf Eichenblättern. Mein erster Fund eines Echten Mehltaupilzes. Spannend sind die Anhängsel, die in dieser Form für E. alphitoides arttypisch sein sollen.
Puccinia alnetorum
Auf Schilf. Nähere Details zur Bestimmung gibt es hier: viewtopic.php?t=127. Auch an dieser Stelle möchte ich auf das Pilzportrait von Hansjörg auf unserer Homepage (https://pilze-vorarlberg.at/pilz/puccinia-alnetorum/) verweisen, der Aecien dieses Pilzes an jungen Clematis-Ranken gefunden hat. Die unterschiedlichen Erscheinungsformen als Aecien oder - wie hier als - Telien auf unterschiedlichen Wirten finde ich bei den Rostpilzen schon sehr faszinierend.
Dunkler Birken-Septenpilz, Coryneum lanciforme
Auf einem toten Birkenstamm. Auch diese Art ist neu für mich. Zuerst dachte ich an das Birken-Eckenscheibchen (Diatrypella favacea), denn Sporen hatte ich im ersten Anlauf keine gefunden. Nach ein paar Tagen habe ich es noch einmal versucht und da hat es dann mit den Sporen auch geklappt. Diatrypella konnte ich dann ziemlich eindeutig ausschließen.
Zimtbraune Kohlenbeere, Hypoxylon howeanum
Auf totem Weidenast. Ist auch neu für mich. Auch hier führte die Bestimmung überwiegend über die Sporen, die bei dieser Art für die Gattung auffällig klein sind. Zudem sprechen die orangeroten Körnchen unter der Oberfläche und die orange KOH-Reaktion für diese Art.
Zapfen-Fleckenpilz, Phragmotrichum chailletii
Auf Fichtenzapfen. Ein alter Bekannter ist diese Art. Zwar macht der Zapfen-Fleckenpilz makroskopisch nicht viel her, aber die Sporen sind immer wieder schön anzusehen.
Da war doch wieder einiges an neue Arten dabei - zumindest für mich. Die Funde wurden mir von Irmgard auf Pilzfinder auch schon bestätigt.
Gruß,
Bernhard
Funde vom Rheinholz im Februar
Funde vom Rheinholz im Februar
Funde vom Rheinholz im Februar - Nachtrag
Cf. Glonium graphicum
Auf Baumstumpf. Bei diesem Fund könnte es sich um Glonium graphicum handeln. Zumindest wenn ich den Schlüssel "Key to hysterioid fungi on bark and wood in Scandinaviavon" von Nordén und Andreasen anwende, auf den mich dankenswerterweise Andreas hingewiesen hat, lande ich bei dieser Art.
Die Hysterothecien sind zumindest breiter als hoch, länglich und lippenförmig. Die Sporen sind hyalin und durch ein Septum in zwei Zellen unterteilt. Die Größe ist im Schlüssel mit 15–18 x 5–6 um angegeben. Meine sind mit 14.2-16.6 x 7.1-8.1 um etwas breiter, ich habe aber an der breitesten Stelle und nicht in der Mitte gemessen.
Laut der Mykologischen Datenbank wurde sie zwar in Vorarlberg bisher noch nicht dokumentiert, aber vielleicht kennt jemand von euch die Art trotzdem. Für eine Bestätigung bzw. eine Korrektur wäre ich auf alle Fälle sehr dankbar.
Danke und Gruß,
Bernhard
Auf Baumstumpf. Bei diesem Fund könnte es sich um Glonium graphicum handeln. Zumindest wenn ich den Schlüssel "Key to hysterioid fungi on bark and wood in Scandinaviavon" von Nordén und Andreasen anwende, auf den mich dankenswerterweise Andreas hingewiesen hat, lande ich bei dieser Art.
Die Hysterothecien sind zumindest breiter als hoch, länglich und lippenförmig. Die Sporen sind hyalin und durch ein Septum in zwei Zellen unterteilt. Die Größe ist im Schlüssel mit 15–18 x 5–6 um angegeben. Meine sind mit 14.2-16.6 x 7.1-8.1 um etwas breiter, ich habe aber an der breitesten Stelle und nicht in der Mitte gemessen.
Laut der Mykologischen Datenbank wurde sie zwar in Vorarlberg bisher noch nicht dokumentiert, aber vielleicht kennt jemand von euch die Art trotzdem. Für eine Bestätigung bzw. eine Korrektur wäre ich auf alle Fälle sehr dankbar.
Danke und Gruß,
Bernhard
Glonium >> Psiloglonium
Hallo zusammen,
bin nach Anregung von Andreas noch einmal über den Schlüssel von Böhm et al. (2009): A molecular phylogenetic reappraisal of the Hysteriaceae, Mytilinidiaceae and Gloniaceae (Pleosporomycetidae, Dothideomycetes) with keys to world species und habe festgestellt, dass die Sporen gar nicht zur Gattung Glonium passen (Abb. 12). Viel besser passen sie zur Gattung Psiloglonium. Da bin ich im Hauptschlüssel wohl bei 6) falsch abgebogen und habe "Didymospores hyaline, borne in solitary or gregarious hysterothecia, rarely associated with a subiculum, not laterally anastomosed to form radiating stellate composites", was dann auf meinen Fund doch zutrifft, falsch interpretiert.
Im Psiloglonium-Schlüssel lande ich beim Typ I > 6):
Für P. pusillium mit Sporen von (9–)10–12(–13) x 4–5(–6) um sind meine Sporen mit 14.2-16.6 x 7.1-8.1 um - und ich habe hier tatsächlich mehr als 30 gemessen - zu groß. Bei P. lineare mit Sporen von (10–)12–14(–18) x (4–)5–7(–8) um sind meine Sporen auch eher zu groß. Außerdem passt das Merkmal der in parallelen Reihen angeordneten, halb eingesenkten bis hervorbrechenden Ascomata nicht so gut zu meinem Fund. Die Sporenform passt hier allerdings sehr gut. (Abb. 8, M). Bei P. simulans mit Sporen von (10–)14–16(–18) x (4.5–)5–6 um passt sowohl die Sporengröße und die Sporenform (Abb. 8, C) recht gut. Meine Sporen sind doch noch etwas breiter und die obere Zelle etwas runder. Bei P. clavisporum mit Sporen von (15–)16–18(–20) x 5–6(–7) um sind meine Sporen dann schon zu klein und die keulenförmige Sporenform passt gar nicht zu den meinen.
Unterm Strich passt meiner Ansicht vor allem auch makroskopisch (Abb. 8, A+B) P. simulans am besten zu meinem Fund. Hier noch ein paar Bilder dazu:
Zu P. simulans gibt es jedoch in der Mykologischen Datenbank noch gar keine Einträge, zu P. lineare immerhin 21. Vielleicht also doch letzterer und das Merkmal der parallelen Reihen ist nicht ganz so entscheidend. Ich denke, hier braucht es dann doch einen Experten für eine korrekte Bestimmung.
Gruß,
Bernhard
bin nach Anregung von Andreas noch einmal über den Schlüssel von Böhm et al. (2009): A molecular phylogenetic reappraisal of the Hysteriaceae, Mytilinidiaceae and Gloniaceae (Pleosporomycetidae, Dothideomycetes) with keys to world species und habe festgestellt, dass die Sporen gar nicht zur Gattung Glonium passen (Abb. 12). Viel besser passen sie zur Gattung Psiloglonium. Da bin ich im Hauptschlüssel wohl bei 6) falsch abgebogen und habe "Didymospores hyaline, borne in solitary or gregarious hysterothecia, rarely associated with a subiculum, not laterally anastomosed to form radiating stellate composites", was dann auf meinen Fund doch zutrifft, falsch interpretiert.
Im Psiloglonium-Schlüssel lande ich beim Typ I > 6):
Für P. pusillium mit Sporen von (9–)10–12(–13) x 4–5(–6) um sind meine Sporen mit 14.2-16.6 x 7.1-8.1 um - und ich habe hier tatsächlich mehr als 30 gemessen - zu groß. Bei P. lineare mit Sporen von (10–)12–14(–18) x (4–)5–7(–8) um sind meine Sporen auch eher zu groß. Außerdem passt das Merkmal der in parallelen Reihen angeordneten, halb eingesenkten bis hervorbrechenden Ascomata nicht so gut zu meinem Fund. Die Sporenform passt hier allerdings sehr gut. (Abb. 8, M). Bei P. simulans mit Sporen von (10–)14–16(–18) x (4.5–)5–6 um passt sowohl die Sporengröße und die Sporenform (Abb. 8, C) recht gut. Meine Sporen sind doch noch etwas breiter und die obere Zelle etwas runder. Bei P. clavisporum mit Sporen von (15–)16–18(–20) x 5–6(–7) um sind meine Sporen dann schon zu klein und die keulenförmige Sporenform passt gar nicht zu den meinen.
Unterm Strich passt meiner Ansicht vor allem auch makroskopisch (Abb. 8, A+B) P. simulans am besten zu meinem Fund. Hier noch ein paar Bilder dazu:
Zu P. simulans gibt es jedoch in der Mykologischen Datenbank noch gar keine Einträge, zu P. lineare immerhin 21. Vielleicht also doch letzterer und das Merkmal der parallelen Reihen ist nicht ganz so entscheidend. Ich denke, hier braucht es dann doch einen Experten für eine korrekte Bestimmung.
Gruß,
Bernhard
Re: Funde vom Rheinholz im Februar
hallo Bernhard,
deine Beiträge sind sehr lesenswert da gut dokumentiert und argumentiert. Aber ich versuche gar nicht erst, mir hier viel zu merken. Damit wäre ich überfordert, da ich mich kaum mit diversen Ascomyceten bzw. Pyrenos beschäftige. Am intensivsten habe ich mich in der Vergangenheit noch mit Hypoxylon beschäftigt und ich schreibe kaum mehr welche an, ohne mikroskopiert zu haben.
danke fürs Teilen und schöne Grüße
Uschi
deine Beiträge sind sehr lesenswert da gut dokumentiert und argumentiert. Aber ich versuche gar nicht erst, mir hier viel zu merken. Damit wäre ich überfordert, da ich mich kaum mit diversen Ascomyceten bzw. Pyrenos beschäftige. Am intensivsten habe ich mich in der Vergangenheit noch mit Hypoxylon beschäftigt und ich schreibe kaum mehr welche an, ohne mikroskopiert zu haben.
danke fürs Teilen und schöne Grüße
Uschi
Re: Funde vom Rheinholz im Februar
Hallo zusammen,
Irmgard hat Psiloglonium lineare bestätigt. Entscheidend scheint hier die Sporenform zu sein. Die größeren Maße können daher stammen, dass ich vielleicht ein wenig zu fest gedrückt und die Sporen dabei breit gedrückt habe. Zudem müssen bei P. lineare die Ascomata auf der Stirnseite des Stumpfes nicht in parallelen Reihen angeordnet sein.
Spannend ist auch der Vergleich mit dem Fund von Andreas bei der Februar Exkursion am Wochnerhafen, der P. lineare in einer typischeren Form zeigt.
Gruß,
Bernhard
Irmgard hat Psiloglonium lineare bestätigt. Entscheidend scheint hier die Sporenform zu sein. Die größeren Maße können daher stammen, dass ich vielleicht ein wenig zu fest gedrückt und die Sporen dabei breit gedrückt habe. Zudem müssen bei P. lineare die Ascomata auf der Stirnseite des Stumpfes nicht in parallelen Reihen angeordnet sein.
Spannend ist auch der Vergleich mit dem Fund von Andreas bei der Februar Exkursion am Wochnerhafen, der P. lineare in einer typischeren Form zeigt.
Gruß,
Bernhard