Exkursion Jänner 2026 / Frastanz

Paraxylaria xylostei

von Andreas »

Paraxylaria xylostei auf Roter Heckenkirsche
Syn. Amphisphaerella xylostei


Sporenmaße: [ 17.2-19.4-21.2 ] x [ 9.5-10.5-11.8 ] Q = [ 1.7-1.8-2.0 ] N = 17
Sporen: braun, elliptisch, Keimporen in der Mitte
Ascus: IKI+

bestimmt mit
Björn Wergen (2017): Handbook of Ascomycota. , Funghiparadise Productions. , Vol. 1 a
Sp. 14-17x9-10

und
Beatrice Senn-Irlet, Stefan Blaser, Rene Dougoud, Elisabeth Stöckli, Andrin Gross & Rolf Mürner (2021): Cryptogamica Helvetica.
Sp. 12.6-17.4x6.7-9.5

und
Enrique Rubio CEMAS: https://www.centrodeestudiosmicologicos ... org/?p=132
Sp. 18.5-23x12.5-15.3

Es gibt hier offensichtlich auch große Unterschiede in der Literatur bzgl. Sporenmaßen, die Keimporen in der Mitte der Spore und auch die Blaufärbung des ringförmigen Ascoporus sollten aber die Art gut charakterisieren. Allerdings habe ich bei diesem Fund kaum brauchbare Asci gefunden, die die Blaufärbung zeigen.

Paraxylaria xylostei P1230859.JPG
Paraxylaria xylostei asci.jpg
Paraxylaria xylostei H2O_1000.jpg
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Rebentischia unicaudata

von Andreas »

Auf der Suche nach brauchbaren Asci habe ich dann die Sporen dieser folgenden Art entdeckt, auch auf demselben Ästchen von Lonicera xylosteum

Rebentischia unicaudata (Berkeley & Broome) Saccardo

Sporenmaße: [ 25.4-26.6-27.9 ] x [ 8.5-9.1-9.8 ] Q = [ 2.7-2.9-3.3 ] N = 20
Sporen: 4 Septen, keulenförmig, mittl. Zellen dunkler, Basalzelle hyalin, fadenförmig auslaufend, bis 10,5 lang


Zur Bestimmung habe ich folgendes gefunden:

Björn Wergen (2017): Handbook of Ascomycota. , Funghiparadise Productions. , Vol. 1 b
Sp. 21,5-28 x 6-7

MARGARET E. BARR (1980): ON THE FAMILY TUBEUFIACEAE (PLEOSPORALES). In: Mycotaxon, Vo. XII No. 1, pp. 137-167.
On suffrutescent stems of shrubs and vines ; main body of ascospore 17-25(-30 ) x 4-6(-7.5 )

M. Virginia Bianchinotti & Romina M. Sánchez (2009): Micromycetes on Austrocedrus chilensis.
First record of Rebentischia from Argentina. In: Mycotaxon, Volume 107, pp. 449-454.
Ascospores 4-septate, 17–30 × 4–7.5 μm


Der Unterschied zur zweiten Art R. massalongoi ist die Länge der hyalinen Basalzelle und die Sporengröße


Rebentischia unicaudata asci.jpg
Rebentischia unicaudata sporen.jpg
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Robergea cubicularis

von Andreas »

Das Schnitzen an den Ästchen bringt manchmal schöne Überraschungen hervor.
So diese Art, deren Fruchtkörper nicht einfach ein rundes Kügelchen im Holz, sondern einen länglicher Fruchtkörper parallel zur Oberfläche des Substrats besitzt.

Robergea cubicularis (Fries) Rehm

Fruchtkörper: immersed, länglich oval, +- parallel zu Oberfläche d. Substrats
Sporen: drahtförmig, sehr lang, ca. 1.5-1.7 breit
Ascus: IKI-, ca. 5.0 breit

gefunden in:
Thomas Laessoe, Jens H. Petersen (2019): Fungi of Temperate Europe. Princeton and Oxford, Princeton University Press.

VERA P. HAYOVA (2005): SOME NEW AND RARE RECORDS OF ASCOMYCETES IN UKRAINE. In: Ukrainian Botanical Journal, 62(1), 70-77.


Die Kombination aus der horizontalen, länglichen Orientierung der Fruchtkörpers im Substrat und den drahtförmigen Sporen sollte charakteristisch sein.

Robergea cubicularis P1230937.JPG
Robergea cubicularisP1230934.JPG
Robergea cubicularis P1230938.JPG
Robergea cubicularis H2O_1000_1_6--.jpg
Robergea cubicularis Lugol_1000_1_2--.jpg
Zuletzt geändert von Andreas am Mi 11. Feb 2026, 07:33, insgesamt 1-mal geändert.

Cryptosphaeria eunomia

von Andreas »

Dann noch auf Esche diese Art:

Cryptosphaeria eunomia (Fries) Fuckel

mit allantoiden Sporen [ 8.6-9.7-10.5 ] x [ 1.8-2.0-2.2 ] Q = [ 4.0-4.8-5.6 ] N = 5, keine freien Sporen, unreif im Ascus gemessen!
Ascus lang gestielt, IKI+, reif stark verdickt, Ostiolen rund

Trotz der eklatanten Abweichung der Sporenmaße, die wahrscheinlich auf Unreife zurückzuführen ist, bin ich bei dieser Art geblieben, allerdings schon mit etwas Bauchweh. Waldner zitiert namhafte Autoren:

Auch wer auf dem Gebiet der Pyrenomyceten kein völliges "Greenhorn" mehr ist, er lebt immer wieder, daß die Bestimmung eines Fundes große Schwierigkeiten bereitet, ja auf Dauer erfolglos bleibt, weil es an spezieller Literatur gebricht, oder die betreffende Art vielleicht tatsächlich noch gar nicht beschrieben wurde. Auf der anderen Seite gibt es Species, die auch der "blutige Anfänger mit links" richtig zuordnen kann, weil Wirtspezifilät und/oder unverwechselbare artspezifische Merkmale jeden Zweifel ausschließen. Zu diesen Pyrenomyceten gehört Cryptosphaeria eunomia, die ausschließlich in der Rinde von Eschen vorkommt, außerdem, wie Dennis in "British Ascomycctes":339 urteilt:"Extremely common cverywhere" und nach Munk in "Danish Pyrcnomycetes": 152 "A„ .. even macroscopically easily recognizable fungus" ist. Ja, fast möchte man von einer Ausnahme sprechen, wenn man ein abgefallenes, totes Ästchen der in fast ganz Europa heimischen Fraxinus excelsior ohne den in Rede stehenden Pilz aufnimmt. So ergibt sich bei Kenntnis desselben in Umkehrung der üblichen Verhältnisse sogar die Möglichkeit, den Wirtsbaum und selbst berindete Fragmente von ihm nach seinem Pilzbewohner zu bestimmen, was in diesem Fall die umständliche Analyse des Holzes erübrigt.


Es gibt noch die C. eunomia var. fraxinii (Richon) Rappaz, die noch größere, septierte Sporen aufweist.

Zur Bestimmung herangezogen:

Thomas Laessoe, Jens H. Petersen (2019): Fungi of Temperate Europe. Princeton and Oxford, Princeton University Press.
Sp. 11.5-16x2.2-3

Waldner, H. (1993): Cryptospbaeria eunomia (Fr.:Fr.) Fuckel
Ein fast obligater Eschenbegleiter mit interessanter, taxonomischer Vergangenheit. In: Rheinld.-Pfälz.Pilzjour., 3(2), 100-103.

Francois RAPPAZ (1987): TAXONOMIE ET NOMENCLATIJRE DES DIATRYPACEES À ASQUES OCTOSPORES. In: Mycologia Helvetica, Vol. 2 No 3, pp. 285-648.

Cryptosphaeria eunomiaP1230920.JPG
Cryptosphaeria eunomiaP1230917.JPG
Cryptosphaeria eunomiaCR_1000_1_2.jpg
Cryptosphaeria eunomia Porus Lugol_1000_1_1.jpg
Zuletzt geändert von Andreas am Mi 11. Feb 2026, 07:34, insgesamt 1-mal geändert.

Fotos zu Cryptosphaeria eunomia

von Andreas »

Nochmals ein Versuch, die Fotos zu posten...
Cryptosphaeria eunomiaP1230920.JPG
Cryptosphaeria eunomiaP1230917.JPG

Cryptosphaeria eunomiaCR_1000_1_2.jpg

Cryptosphaeria eunomia Porus Lugol_1000_1_1.jpg
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Re: Exkursion Jänner 2026 / Frastanz

von Andreas »

Hoffe, noch ein paar Arten identifizieren zu können...

lg
andreas

Re: Exkursion Jänner 2026 / Frastanz

von Uschi »

hallo Andreas,
danke für deine so ausführliche, geduldige und genaue Recherche. Deine Bestimmungen "peppen" unsere Fundliste noch zusätzlich auf. Danke auch für deine interessanten Kommentare dazu.
LG Uschi

Cryptosphaeria lignyota - Laubholz Versteckkugelpilz

von Andreas »

Eine zweite Cryposphaeria habe ich auf dem erwähnten Weidenast gefunden:

Cryptosphaeria lignyota (Fr.) Auersw. - Laubholz Versteckkugelpilz

Meine Notizen:
Sporenmaße [ 7.5-8.4-9.3 ] x [ 1.7-2.0-2.3 ] Q = [ 3.5-4.2-5.1 ] N = 19 Sporen allantoid, mit polaren Tröpfchen
Asci IKI+, lang gestielt, im sporentragenden Teil verdickt
Stroma erhaben über dem Substrat

zur Bestimmung verwendet:
- Beatrice Senn-Irlet, Stefan Blaser, Rene Dougoud, Elisabeth Stöckli, Andrin Gross & Rolf Mürner (2021): Cryptogamica Helvetica.
angegebene Sporenmaße: 9.4-15.2x2.3-3.9, tot 7-12x2-2.5

- Björn Wergen (2017): Handbook of Ascomycota. , Funghiparadise Productions. , Vol. 1 a
angegebene Sporenmaße: 8.5-9.5x2-3

- Thomas Laessoe, Jens H. Petersen (2019): Fungi of Temperate Europe. Princeton and Oxford, Princeton University Press.
angegebene Sporenmaße: 7-11.5x(1.8)2-2.2(2.5)

Sporenmaße passen rel. gut, als Substrat wird meist Pappel angegeben, soll aber auch auf Weide vorkommen.
Cryptosphaeria lignyota P1230954.JPG
Cryptosphaeria lignyota P1230952.JPG
Cryptosphaeria lignyota CR_1000_1_6.jpg
Cryptosphaeria lignyota Lugol_1000_1.jpg



Die Blaufärbung im Apikalapparat ist kaum zu sehen, hier ein besseres Foto

Cryptosphaeria lignyota IKI+ Lugol_1000_1_3.jpg

Eutypa maura (Fr.) Fuckel - Ahorn-Kohlenkrustenpilz

von Andreas »

auf Laubholz gefunden, hier meine Aufzeichnungen:

Sporenmaße [ 5.3-5.9-6.5 ] x [ 1.3-1.4-1.7 ] Q = [ 3.5-4.2-4.8 ] N = 20 Sporen hellbraun, allantoid, polare Tropfen
Stroma schwarz, erhaben, 2-4 mm breit, 5-10 mm lang, spitz zulaufend Fuchtkörper 0.2 mm Duchmesser
Ostiolen zitzenförmig, nicht eingekerbt
Asci IKI-, lang gestielt

zur Bestimmung verwendet:
- Thomas Laessoe, Jens H. Petersen (2019): Fungi of Temperate Europe. Princeton and Oxford, Princeton University Press.
Sporen: 4.8-7.8x1.2-1.5(1.8)

-Björn Wergen (2017): Handbook of Ascomycota. , Funghiparadise Productions. , Vol. 1 a
Sporen: 4.5-6x1-1.2
Eutypa maura P1230867.JPG
Eutypa maura stack_2026-02-10 06-41-36 (B,R8,S4).jpg
Eutypa maura H2O_1000_1.jpg

weitere ungelöste Fälle ;)

von Andreas »

Ansonsten konnte ich leider keine Funde mehr auf Artniveau bestimmen, möchte aber trotzdem ein paar Fotos zeigen, in der Hoffnung, dass jemand das auflösen kann:

Eutypa scabrosa (Bull.) Auersw. c.f. - Höckeriger Krustenkugelpilz

Sporenmaße [ 9.7-10.8-11.9 ] x [ 2.1-2.2-2.5 ] Q = [ 4.3-4.9-5.7 ] N = 23 Sporen hellbraun, allantoid, unseptiert, polare Tropfen
Asci IKI-, lang gestielt
Fruchtkörper eingesenkt, einzeln im Stroma, 0.3-0.6mm

gefunden in:
- J. Breitenbach, F. Kränzlin (1984): Pilze der Schweiz, Band 1 Ascomyceten. , Mykologische Gesellschaft Luzern.
Sp. 7.5-10(12)x1.5-2(2.5)

Eutypa scabrosa cf P1230864.JPG
Eutypa scabrosa cf CR_1000_3.jpg



Karstenia spec - Höhlenbecherchen

Asci [ 67.0-79.6-90.5 ] x [ 8.6-10.5-12.9 ] Q = [ 6.3-7.8-8.8 ] N = 6 Ascoporus KOH3+MLZ blau
Sporenmaße [ 34.7-39.1-45.9 ] x [ 3.0-3.9-4.8 ] Q = [ 8.4-10.2-12.3 ] N = 8 Sporen 6-10 Septen
Hymenium 85-90 dick

Literatur:
Thomas Laessoe, Jens H. Petersen (2019): Fungi of Temperate Europe. Princeton and Oxford, Princeton University Press.
Karstenia clematidis Sp. 35-45x3-4

Die rel. am häufisten gefundenen Karstenia rhopaloides passt von der Sporenform und -maßen irgendwie nicht so recht, am ehesten die erwähnte Karstenia clematidis, habe aber nicht viel über diese Gattung finden können...

Karstenia spec P1230962.JPG
Karstenia spec KOH3+MLZ_1000_17.jpg
Karstenia spec KOH3+MLZ_1000_11.jpg
Karstenia spec KOH3+MLZ_1000_5.jpg
Karstenia spec H2O_1000.jpg


Lophiotrema spec.

auf Viburnum opulus und Lonicera xylosteum zwei ähnliche Funde, aber Sporenform und -maße sind nicht richtig eindeutig für eine bestimmte Art.
L. vagabundum scheint nur auf krautigen Stängeln vorzukommen, L. rubi wäre eine Möglichkeit, oder L. nucula...

hier Sporenbilder:






Lophiotrema specl_H2O_1000.jpg
Lophiotrema spec H2O_1000_1_2.jpg