Seite 1 von 1

Systematik meiner Pilzfunde

Verfasst: So 25. Jan 2026, 13:20
von Bernhard
Hallo zusammen,

in letzter Zeit habe ich mich wieder etwas mit der Systematik der Pilze beschäftigt und in den vergangenen Tagen aus Interesse eine systematische Einteilung meiner persönlichen Pilzfunde gemacht. Ausgegangen bin ich von einer Liste mit den wissenschaftlichen Namen aus meiner Datenbank, habe dann mit einem Python-Skript automatisch die taxonomischen Daten von GBIF (https://www.gbif.org/) abgerufen und daraus dann eine grafische Darstellung erstellt.
PosterSpeciesTree.png

Man muss schon ziemlich weit hinein zoomen, damit man die Namen erkennen kann. Falls das dennoch nicht ausreichend gelingen sollte, hier zur besseren Lesbarkeit die Übersicht als PDF-Datei zum Herunterladen:
PosterSpeciesTree.pdf
(3.69 MiB) 9-mal heruntergeladen

Meine bisherigen Funde (Stand 23.01.2026) teilen sich in 397 Arten, 215 Gattungen, 110 Familien, 34 Ordnungen, 4 Abteilungen und 2 Reiche auf. Bei letzteren handelt es sich um das Reich der Fungi (389 Arten, 98%) und das Reich der Protozoa (8 Arten, 2%), zu welchem die Schleimpilze gehören.

Im Reich der Fungi (389 Arten) teilen sich die Funde auf die Abteilungen Basidiomycota (Ständerpilze, 330 Arten, 85%), Ascomycota (Schlauchpilze, 56 Arten, 14%) und Mucoromycota (3 Arten, 1%) auf. In letzterer sind es Jochpilze aus den Gattungen Spinellus und Pilopolus (Pillenwerfer).

Aus der Abteilung Basidiomycota sind es die Klassen Agaricomycetes (324 Arten, 98%), Dacrymycetes (mit den Gallerttränenartigen, 5 Arten, 2%) und Pucciniomycetes (mit den Rostpilzen, 1 Art).

In der Klasse der Agaricomycetes teilen sich die Funde auf die Ordnungen Agaricales (Champignonartige, 185 Arten, 57%), Boletales (Steinpilzartige, 25 Arten, 8%), Russulales (Täublingsartige, 44 Arten, 14%), Polyporales (Stielporlingsartige, 34 Arten, 10%), Cantharellales (Pfifferlingsartige, 9 Arten, 3%), Auriculariales (Ohrlappenpilzartige, 8 Arten, 2%), Hymenochaetales (Borstenscheiblingsartige, 6 Arten, 2%) und weitere Ordnungen (zusammen 13 Arten, 4%) auf.

Spannend am Ganzen finde ich, dass über die letzten Jahre doch knapp 400 verschiedene Arten zusammen gekommen sind, wobei doch fast die Hälfte „Blätterpilze“ sind. Das hätte ich mir so nicht gedacht. Weiters war mir zwar bewusst, dass die Schleimpilze keine „richtigen“ Pilze sind und zu einem anderen Reich gehören. Nicht bewusst war mir, dass ich mit den Jochpilzen Spinellus fusiger, Pilopolus roridus und Pilopolus crystallinus (Pillenwerfer) auch drei Arten in meinem „Fundportfolio“ habe, welche weder zu den Ständerpilzen noch zu den Schlauchpilzen gehören. Spannend sind auch verschiedene Verwandschaftsbeziehungen. So sind z.B. die Schichtpilze (Stereum) näher mit den Täublingen verwandt als mit den Porlingen. Auch interessant: das Schweinsohr (Gomphus clavatus) ist mit den Leistlingen nicht näher verwandt als mit den Röhrlingen oder Täublingen, wie man vielleicht vermuten könnte.

Falls sich von euch auch jemand für die Systematik der Pilze interessieren sollte, kann ich das Buch Mykologie – Diversität, Morphologie, Ökologie und Evolution der Pilze von Meike Piepenbring empfehlen. Gerne kann ich mein Exemplar zur Ansicht zu einem unserer nächsten Pilzstammtische mitbringen, falls Interesse besteht.

Zudem gibt es noch die Vorlesung Evolution und Ökologie der Pilze von Prof. Franz Oberwinkler aus 2005 unter dem Link https://timms.uni-tuebingen.de/tp/UT_20 ... pilze_0001 zum Nachsehen. Manche Aussagen daraus sind zwar nicht mehr aktuell, aber für einen Einstieg reicht es allemal.

Gruß,
Bernhard

Re: Systematik meiner Pilzfunde

Verfasst: So 1. Feb 2026, 00:30
von Uschi
hallo Bernhard,
ich kann immer wieder nur über dich staunen. Statistiken sind offensichtlich doch auch ein Steckenpferd von dir. Eine graphische Darstellung mit dem nötigen Know how ist das eine, dann aber noch die ganze Interpretation dazu - alle Achtung. Du erwähnst deine "eigene Datenbank". In welchem Format hast du die erstellt? Ich denke du hast dort jeweils gleich die Systematik hinterlegt. Im Zeitalter der Molekularbiologie und Gentechnik weiß man schon länger, dass makroskopische Ähnlichkeiten mit dem Verwandtschaftsverhältnis sehr differieren. Das ist ja auch der Grund, weshalb es in den letzten Jahren so viele neue Einteilungen und Umbenennungen gegeben hat.

LG Uschi

Re: Systematik meiner Pilzfunde

Verfasst: So 1. Feb 2026, 13:57
von Bernhard
Hallo Uschi,

ich habe mir letztes Jahr selbst eine Datenbank mit entsprechender Benutzeroberfläche geschrieben. Davor habe ich die Bilder zu den Pilzfunden jeweils in Ordnern mit dem entsprechenden Artnamen abgelegt. Inspiriert haben mich Andreas und Thomas, welche auch eine Datenbank zu Verwaltung ihrer Pilzfunde erstellt haben.
MycoMap.jpg
In dieser Datenbank speichere ich neben dem Artnamen und dem Ort auch das Substrat und das Ökosystem. Zudem kann ich noch Anmerkungen wie Geruch, Geschmack oder Sporengröße speichern. Zu jedem Fund kann ich auch die Bilder, die ich im Feld gemacht habe oder beim Mikroskopieren entstehen, hinzufügen. Das ist recht praktisch, wenn man einen neuen Fund mit bereits bestimmten Arten vergleichen möchte.

Die Systematik habe ich in der Datenbank nicht erfasst. Ich kann die jeweils aktuelle aber automatisch für alle Arten über eine Schnittstelle zu GBIF abfragen.

Aber ja, Steckenpferd trifft es recht gut. Geodatenbanken und Kartographie waren Teil meines Studiums. Dieses Wissen kann zwar im Beruf nicht mehr so anwenden, aber dafür in diesem Rahmen.

Gruß,
Bernhard