Wanderung Feuerstätterkopf

Wanderung Feuerstätterkopf

von Bernhard »

Hallo zusammen,

gemeinsam mit Andreas habe ich am Pfingstmontag (26.05.2026) eine Wanderung auf den Feuerstätterkopf unternommen. Beim Abstieg haben wir uns die Zeit genommen, die Gegend nach Pilzen abzusuchen.

Stenocybe major
Diese kleinen stecknadelartigen Frucktkörper auf der Rinde der Weißtanne kenne ich schon von der Exkursion in Schetteregg im letzten Jahr. Hier ist die Bestimmung aufgrund der großen, dreifach-septierten Sporen und dem Substrat einfach. In unserer Mykologischen Datenbank sind nun erst 11 Funde dokumentiert, zwei davon aus Vorarlberg. Dennoch denke ich, dass dieser Pilz eigentlich recht häufig sein sollte, denn oft schaue ich mir Tannenäste nicht an und habe ihn dennoch schon zwei Mal darauf entdeckt.
20260525-171808-00.jpg
20260525-173725-02.jpg
20260525-173832-03M.jpg

Lophium mytilinum
Dies ist für mich ein Erstfund. Ebenfalls auf dem Tannenast entdeckt. Der muschelförmige Fruchtkörper und die fadenförmigen Sporen sprechen für die Gattung Lophium. Aufgrund der parallelen Anordnung der Sporen im Ascus, denke ich, dass es sich um L. mytilimum handelt. Bestätigung steht noch aus.
20260525-175418-00.jpg
20260526-192458-07.jpg

Lasiobolus cuniculi
Erst heute habe ich diesen Fruchtkörper eines coprophilen Pilzes auf einem Dungstück entdeckt. Die Seten sind im Mittel 170 um lang; die Asci 120 x 30 um groß und biseriat. Bei den Sporen messe ich 18.7-23.8 x 13.2-16.2 um mit einem Q-Wert von 1.4-1.5. Auf eine Bestätigung warte ich noch, aber ich denke, das sollte passen.
20260530-130612-00.jpg
20260530-131822-04M.jpg

Botrytis sp.
Auf Krautstängel, evtl. ein Wintersteher vom Weißen Germer (Veratrum album) - von Andreas bestimmt, auf der Alpweide. Die Untersuchung der Flecken unter dem Mikroskop hat zuerst nichts ergeben und somit ist der Stängel mit den anderen befeuchtet in der Box gelandet. Überrascht war ich am nächsten Tag, als ich auf den Flecken diese spannenden Gewächse entdeck habe. Vermutlich wird hier keine Bestimmung auf Artebene möglich sein, aber interessant anzuschauen ist der Grauschimmel allemal.
20260527-183550-00.jpg
20260526-180323-11.jpg

Gruß,
Bernhard

Re: Wanderung Feuerstätterkopf

von Andreas »

Hallo Bernhard,

danke für das Teilen Deiner Funde!

Interessant daß Du tatsächlich wieder die Stenocybe auf der Tanne gefunden hast. Schön auch die Lophium, Denke auch, daß die kleinen Pilzchen regelmäßig vorkommen, so wie ich es bei der Phaeocalicium auf Grünerle beobachten konnte.

Hoffe, Anfang der Woche meine Funde einstellen zu können.

LG andreas

Re: Wanderung Feuerstätterkopf

von Andreas »

Vibrissea decolorans - Dünnsporiges Kranzbecherchen

In einem kleinen Teich auf der Güntlealpe SW der Büglhütte konnt ich auf einem Weidenast im Wasser diesen Pilz finden.
Der Fruchtkörper ist kissenförmig, sitzend, mit hellgrauer Fruchtschicht und dunkler Außenseite.
01 Vibrissea decolorans P1250211.JPG
Der Ascoporus färbt mit Lugol deutlich blau
03 Vibrissea decolorans Lugol_1000_2.jpg

Die Sporen habe ich mit ca. 227-292x1.4-1.8 gemessen, mit 21-23 Septen, die nicht auseinanderbrechen
04 Vibrissea decolorans Lugol_1000_6.jpg

Dir Paraphysen sind kopfig und tw. verzweigt.
05 Vibrissea decolorans Lugol_1000_8.jpg

Habe den mit einem Schlüssel bestimmt namens:
VIBRISSEACEAE (Vibrissea incl. Apostemidium, Obtectodiscus, ?and Loramyces) July 96, updated June 99
den ich mal im Internet gefunden habe, nicht publiziert ist. Als Referenz wird
Ref.: Sánchez 1967 (...), Schumacher 1976 (Astarte 9: 25-31, Vibrissea in Norway
angeführt

Ingo Wagner: ASCO-SONNEBERG
https://asco-sonneberg.de/pages/gallery ... position=2



Pyrenopeziza pulveracea - Spierstauden-Einsenkbecherchen

Auf einem Stengel der Spierstaude Filipendula ulmaria ein kleines Becherchen
01 Pyrenopeziza pulveracea P1250378.JPG
03 Pyrenopeziza pulveracea 2026-05-31 20-06-09 (B,R8,S4).jpg

Ascus 43-50 lang, mit Schnallen, IKI+
04 Pyrenopeziza pulveracea Lugol_1000.jpg

Sporen: [8.4-9.9] x [1.7-2.3] Q = [3.9-5.0] N = 23
06 Pyrenopeziza pulveracea H2O_1000_9.jpg

Bestimmt nach B. DECLERCQ: THE GENUS PYRENOPEZIZA FUCKEL IN BELGIUM
KEY TO THE SPECIES

Enrico Rubio CEMAS:
https://www.centrodeestudiosmicologicos ... org/?p=152

Mycopedia Seite von Thomas Flammer:
https://www.mycopedia.ch/pilze/10147.htm



Melanconis marginalis subsp. europaea

Ebenfalls in o.g. Teich gefunden dachte ich zuerst an Melanconis alni, wegen dem Substrat Grünerle.
Als ich jedoch zur Bestimmug das paper von Jaklitsch/Voglmayr
Walter M. Jaklitsch, Hermann Voglmayr (2020): The genus Melanconis (Diaporthales). In: MycoKeys, 63, 69–117.
herangezogen habe, bin ich zu v.a. aufgrund der Sporen-Anhängsel und der Sporengröße auf diese Art gestoßen.
02 Melanconis marginalis subsp. europaea  P1250358.JPG
03 Melanconis marginalis subsp. europaea  P1250361.JPG
04 Melanconis marginalis subsp. europaea  P1250362.JPG


Sporen sind hyalin, mit einer Septe, eingeschnürt, multiguttulat, Anhängsel kurz, breit, tw. glockenförmig
gemessen: [17.7-19.1-20.1] x [5.4-6.0-6.7] Q = [3.0-3.2-3.5] N = 17
Die Autoren geben an: (13.8–)17–20(–22.8) × (3.5–)4.7–6.5(–7.7) μm, l/w (2.5–)2.9–3.8(–5.5) (n = 242),
09 Melanconis marginalis subsp. europaea Ink_1000_2.jpg


Cryptosporella betulae

Unten an der Bolgenach konnte ich noch diesen Kernpilz finden, den ich auch zuerst unter C. suffusa eingeordnet habe. beim Schlüsseln mit
Luis C. Mejia, Amy Y. Rossman, Lisa A. Castlebury, James F. White Jr. (2011): New species, phylogeny, host-associations and geographic
distribution of genus Cryptosporella (Gnomoniaceae, Diaporthales). In: Mycologia, 103(2), 379–399.
habe ich genauer schauen müssen und keine gemeinsame Kammer gefunden:
"Cryptosporella suffusa is distinct in having perithecial necks that fuse into an ostiolar cavity and a brown to black spot on the host surface resulting from
stromatic tissue beneath the epidermis." Vielmehr münden hier die Perithecien in separaten Ostiolen.
02 Cryptosporella betulae 1250375.JPG
03 Cryptosporella betulae P1250367.JPG
04 Cryptosporella betulae P1250371.JPG

Sporen gemessen: [35.3-50.7] x [3.4-4.0] Q = [8.8-14.0] N = 11, die Sporendicke passt nicht gut zu den folgenden Angaben.
Björn gibt 36-56x4-6 an (Björn Wergen (2017): Handbook of Ascomycota. , Funghiparadise Productions. , Vol. 1 a)
Die o.g. Autoren: (29–)33–38.5(–56) 3 5–6 mm (mean 38x5.7)

08 Cryptosporella betulae CR_1000.jpg
Antworten