Herbstpilze

Herbstpilze

von Karl Günter »

Heuer mußten wir den Sommer über eher betrübt erfahren, daß die anhaltende Trockenheit den meisten Pilzen der Tallage "den Garaus" gemacht hatte. Also zog ich es vor, in den letzten Wochen den Höhenlagen unseres Landes einen Besuch abzustatten und habe dies nicht bereut. Im Laternsertal auf dem Weg zur Alpe Gävis bot sich zwischen 1450 und 1520 Metern ein Eldorado an Pilzen an, nicht viel weniger gab die "Käspis Ebene" über Satteins her, immerhin auch schon an die 900 m hoch.

Diese beiden Höhenwanderungen möchte ich zur Ehrenrettung des Klimas aber doch mit ein paar aktuellen Bildern vom Vitaparcours in der Galina ergänzen, der ca. 500m ÜdM liegt, weil sie uns eindrücklich die mykologische Kraft des Herbstes und seine Besonderheiten zeigen können.

Im Laternsertal wurde ich nach wochenlangem Suchen nun doch endlich mit meinem "Lieblingshelmling", dem auf Frauenfarn und Adlerfarn wachsenden Rotschneidigen Farn-Helmling (Mycena pterigena) fündig, er hat sich heuer reichlich verspätet.
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Flockenstielige Hexenröhrlinge (Neoboletus praestigiator) und Lachsreizker (Lactarius salmonicolor) bereicherten dann die Wälder links und rechts des Weges, zogen mich aber nicht aus gastronomischen Gründen an. Denn Ersterer lachte mir mit einer Fülle von Freudentränen entgegen, jenen bunten Guttationstropfen, mit denen die Hydathoden, jene speziellen Spaltöffnungen, bei feuchter Witterung und starkem Druck von den Wurzelhyphen her überschüssiges Wasser und überschüssige Inhaltsstoffe los werden können.
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Das Phänomen ist zahlreichen Pilzen eigen, wie nachfolgende Bilder von anderen Fundstellen zeigen und ist immer wieder einmal einen Schnappschuss wert.

Fomitopsis pinicola:
Fomitopsis pinicola (SwaDSCrtz).jpeg

Chondrostereum purpureum:
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Pseudoinonotus dryadeus:
Pseudoinonotus dryadeus (Pers.) T. Wagner & Fisch. (Inonotus dryadeus) (Hymenochaetaceae - Borstenscheiblingsverwandte) - Tropfender Schillerporling (1).jpeg
Aber auch Pflanzen bedienen sich dieser Einrichtung und so entstehen erstaunliche Tropfenmuster. Die Alchemisten des Mittelalters glaubten, beim Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) aus solchen "besonderen Tau-Tropfen" den Stein der Weisen gewinnen zu können. Es blieb beim Versuch. Aber die Pflanze durfte den Namen Alchemilla behalten..
Der Dateianhang _DSC0013.JPG existiert nicht mehr.
Bei der Wild-Angelika (Angelica sylvestris) zeigt sich ein anderes Verteilmuster der Tropfen.

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Der Dateianhang _FSC0524.jpg existiert nicht mehr.

Der Lachsreizker interessierte mich, weil ich ihn nach langer Zeit wieder einmal in der von Hypomyces lateritium befallenen Form als sogenannten Steinreizker bewundern konnte. Wie vielseitig dieser Parasit ins Genom des befallenen Pilzes eingreift machen die beiden Bilder deutlich. Die Lamellen können sich in beiden Fällen nicht mehr entwickeln.
Hypomyces lateritius (Fr.) Tul. & C. Tul. (Hypocreaceae - Krustenkugelpilzverwandte) - Steinreizker-Kernpilz auf Lachsreizker.jpeg

Hypomyces lateritius (Fr.) Tul. & C. Tul. (Hypocreaceae - Krustenkugelpilzverwandte) - Steinreizker-Kernpilz auf Lachsreizker (1).jpeg
Die nächste Überraschung war der Fleischrote Gallerttrichterling, den man ja auch kalt zu Salaten essen kann. Er hielt hier offensichtlich seine "Generalversammlung" ab.
Guepinia helvelloides (DC.) Fr. (G. rufa, Tremiscus helvelloides) (Exidiaceae - Ohrlappenpilzverwandte) - Fleischroter Gallerttrichterling.jpeg
Die Käspis Ebene bot mir andere Überraschungen. So säumten gleich 5 junge Exemplare des Rehbraunen Dachpilzes (Pluteus cervinus) den mächtigen Stumpf einer gefällten alten Fichte.
Pluteus cervinus (Schaeff.) P. Kumm. (P. atricapillus, P. exilis var. austriacus) (Pluteaceae - Dachpilzverwandte) - Rehbrauner Dachpilz.jpeg
Unweit davon leuchtete ein Grünspanbecherling (Chlorociboria aeruginascens) neben einem Gelbfüßigen Helmling (Mycena renati) aus einem Asthaufen und kontrastierte dessen gelbe Stängel mit seinen jung hellbeigen, dann aber türkis-blauen Becherchen.
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Und nun zum Schluss: Erst wenige Tage ist es her, daß in der Galina auf einem seit Jahren dort liegenden vermodernden Stamm nicht nur eine ganze Reihe beinahe unverletzter Kastanienbrauner Schwarzfuß-Stielporlinge wuchsen, hier die Bilder:
Picipes badius (Pers.) Zmitr. & Kovalenko (Royoporus badius, Polyporus badius) (Polyporaceae - Stielporlingsverwandte) - Kastanienbrauner Schwarzfuß-Stielporling (2).jpeg
Picipes badius (Pers.) Zmitr. & Kovalenko (Royoporus badius, Polyporus badius) (Polyporaceae - Stielporlingsverwandte) - Kastanienbrauner Schwarzfuß-Stielporling (2).jpeg (41.4 KiB) 29 mal betrachtet


....sondern auch prächtige Exemplare des Kleinen Stink-Rüblings (Gymnopus foetidus), der bei uns vom leider erst vor Kurzem verstorbenen Otto Wohlgenannt schon 2013 in Kehlegg gefunden, seitdem aber nur vier Mal in Vorarlberg kartiert wurde.
Gymnopus foetidus (Sowerby- Fr.) J.L. Mata & R.H. Petersen (Marasmiellus foetidus, Micromphale foetidum) (Maramiaceae - Schwindlingsverwandte) - Kleiner Stink-Rübling, Stinkender Zwergschwindling.jpeg

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Ich wünsche Euch allen gleichermaßen erfolgreiche Wanderungen

Günter
Dateianhänge
Picipes badius (Pers.) Zmitr. & Kovalenko (Royoporus badius, Polyporus badius) (Polyporaceae - Stielporlingsverwandte) - Kastanienbrauner Schwarzfuß-Stielporling.jpeg
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