Stenocybe major

Stenocybe major

von Bernhard »

Hallo zusammen,

ich habe mir gestern nach unserer Exkursion noch die Ditiola peziziformis näher angesehen und dabei sind mir Fremdsporen aufgefallen. Nach kurzer Suche habe ich auch schon den ca. einen halben Millimeter großen Pilz gefunden.
IMG_3923.JPG
20250816-174312-10.jpg

Aufgrund der 3-fach septierten Sporen bin ich bei Stenocybe gelandet. Die erste Idee war Stenocybe pullatula, von der es in der Mykologischen Datenbank für Vorarlberg bereits mehrere Einträge gibt. Dazu passen aber die Sporen nicht. Diese sind bei mir 26.9-29.7 x 8.4-9.7 um groß mit einem Q-Wert von 2.9-3.5 und somit für S. pullatula viel zu groß.
20250816-172812-06M.jpg

Der zweite Eintrag in der Datenbank ist Stenocybe major und ich denke, mit dieser Art haben wir es hier zu tun. Laut der Beschreibung auf https://italic.units.it/index.php?proce ... e&num=2671 passen die Sporen sehr gut zu meinem Fund: Ascospores 1-3 septate, narrowly ellipsoid to fusiform, dark brown to brown-black, the terminal cells paler, with pointed ends, 18-36 x 7-11 µm, the wall conspicuously papillate to reticulate.

Substrat ist ein Totholzast aus dem Mischwald. Aufgrund der Ditiola peziziformis auf dem selben Ast, kann das gut Weißtanne gewesen sein. Auch das würde gut zur Beschreibung passen: on the trunk of old trees, especially Abies, in humid montane forests.

Ich bin mir natürlich nicht sicher und weil S. major bisher in Vorarlberg noch nicht kartiert ist, wäre ich froh, wenn mir jemand die Bestimmung bestätigen könnte.

Gruß,
Bernhard

Re: Stenocybe major

von Andreas »

Hallo Bernhard,

sehr schöner Fund!

Das schaut für mich sehr schlüssig aus, wobei ich allerdings wenig Ahnung hab!


lg
andreas

Re: Stenocybe major

von FlammerT »

Ich habe in den Flechten Baden-Württembergs Teil 2 nachgeschaut, da beschreiben sie keine 3fach septierten Sporen, im Buch Coniocarps von Klaas van Dort & Bart Horvers ist die Art nicht beschrieben. Und ich selber finde auch nicht mehr, selbst im ASCOFORUM FRANCE nicht. Aber das was Du bestimmt hast kann ich nachvollziehen, zumindest mit der Information im link.

H.O. Baral hat einiges
https://drive.google.com/drive/folders/ ... IqWhyrJLrQ
Sequenzieren lassen? Das klärst Du am besten mal mit Irmgard ab, ob das machbar ist.

Re: Stenocybe major

von Uschi »

hallo Bernhard,
Stenocybe pullatula ist in Björns erstem Buch zu Pyrenomycetes s.l. und hat da nur 1-fach septierte Sporen! S. major gibt es in seinem Buch nicht, d. h. er hatte die noch nicht gefunden. Nimm doch direkt mit ihm Kontakt auf, ist wohl am besten.

LG Uschi

Re: Stenocybe major

von Bernhard »

Hallo zusammen,

danke für eurer Feedback. Ich habe bereits an Björn eine Mail geschrieben mit der Bitte, sich das anzusehen.

In der Zwischenzeit habe ich selbst noch einen Blick auf den Ast geworfen und weitere Exemplare gefunden. Eines davon mit zwei "Köpfchen".
IMG_3937.JPG
20250819-180537-06.jpg
20250819-181519-12M.jpg

Eine weitere Quelle habe ich hier noch gefunden: http://lichens-of-noricum.uni-graz.at/
Offensichtlich ist der Pilz - sollte es sich tatsächlich um S. major handeln - nicht lichenisiert, aber flechtenähnlich. Also nach meinem Verständnis keine Flechte, sondern ein Pilz, der auf der Flechte wächst.

Gruß,
Bernhard

Re: Stenocybe major

von bwergen »

Hallo Bernhard,

die Bestimmung Stenocybe major dürfte richtig sein.

Ich habe auch zwei Aufsammlungen dieser Art, jeweils an Rinde/Borke von Abies alba. Die Sporen der beiden Kollektionen sind allerdings durchaus verschieden (1: 27-31 x 8-10 µm; 2: 31-38,5 x 8,5-10,5 µm). Es könnte durchaus daran liegen, dass die Sporen mit dem Alter länger werden, was die großzügigen Sporenmaße der Literatur erklären würde (18-36 µm). Es könnte aber auch sein, dass sich hinter dem Taxon mehrere Spezies verbergen.

Die Art gehört zur Gattung Stenocybe, eine Gruppe calicioider Pilze innerhalb der Eurotiomycetes. Damit handelt es sich nicht um eine Flechte.

Calicioide Pilze sind sowohl bei den Eurotiomycetes (dort häufig schwarz: Mycocalicium, Phaeocalicium, Sphinctrina, Stenocybe) als auch bei den Lecanoromycetes zu finden (dort häufig gelb, grün, oft auch mehlig bestäubt, mit grünem Algenbelag umgeben etc.).

lg björn

Re: Stenocybe major

von Andreas »

Hallo Bernhard,

ich denke, das kannst Du einloggen. In Wirth, Hauck, Schultz Die Flechten Deutschlands kommt man direkt auf S.major.

IMG_20250819_234325.jpg
Wie Du sagst ist das ein Pilz, der (scheinbar ?) auf der Flechte Loxospora wächst und eine saprophytische oder parasitische Lebensweise hat.

Das lässt mehrere Varianten offen, parasitiert er auf der Flechte oder verdaut er die Flechte, oder die Tanne?


LG
Andreas

Re: Stenocybe major

von Bernhard »

Hallo Björn, hallo Andreas,

herzlichen Dank fürs Anschauen und eure Ausführungen. Dann werden wir den Fund wohl als S. major auf die Fundliste nehmen.

Die Klasse der Eurotiomycetes ist Neuland für mich, aber sehr spannend!

Gruß,
Bernhard
Antworten